„Mitgefühl“ im Himalaya

Verein aus Roth hält Kontakt zu einem Dorf in Nordindien

Nürnberger Nachrichten:
27.01.2004


Besonders stolz ist die "Thagchokling Wohlfahrtsorganisation" auf den Besuch des Dalai Lama (Vierter v. l.) im Kloster.  Roland Wieser (Zweiter v..r.) und die Gründungsmitglieder des Vereins bauen jetzt einen Kindergarten für das Dorf Ney.    Foto:oh

Viele Orte im Himalaya sind vom Rest der Welt so gut wie isoliert. Nur das Dorf Ney in Nordindien nicht, es hat sogar Kontakt nach Roth in Mittelfranken: Dort wurde vor kurzem die „Thagchokling Wohlfahrtsorganisation e. V.“ gegründet, um in Ney einen Kindergarten, eine Schule und ein Gesundheitszentrum zu bauen

ROTH — Im Sommer herrschen Hitze und Wassermangel, im monatelangen Winter Temperaturen bis zu 40 Grad minus — Schnee gibt es in Massen: Ladakh, Indiens nördlichster Bundesstaat, verlangt seinen Bewohnern einiges ab. Einen Großteil des Jahres sind viele Ladakhis, wie die Einheimischen heißen, von der Außenwelt abgeschnitten.
Inmitten der rauhen Natur wirbt das buddhistische Kloster in Ney mit einem vielversprechenden Namen. Thagchokling, übersetzt etwa „Bester Platz für Liebe und Mitgefühl“, nennen die Einheimischen den Bau auf fast 4000 Metern Höhe mitten im Himalaya. Die Ladakhis scheinen das Motto selbst ernst zu nehmen. „Geld und Geschenke werden oft an noch ärmere Familien mit mehr Kindern weitergegeben“, erzählt Roland Wieser aus Roth.

Nach einer Treckingreise durch das Gebiet hatte der fränkische Steuerberater, der Christ ist, mit eigenen Mitteln das Kloster als Begegnungsstätte für Menschen aus aller Welt aufgebaut. Jetzt organisiert er von Mittelfranken aus mit der „Thagchokling Wohlfahrtsorganisation e.V.“ Unterstützung für die Bauern. Nach jedem Winter sei er erschüttert, „wie sehr die Menschen in dieser Zeit altern“, sagt der 43-Jährige. Viele Familien besäßen keinen verlässlichen Ofen, um die bitterkalten Wintermonate gut zu überstehen. „Es wäre schön, wenn dort niemand mehr frieren müsste“, sagt Wieser.
Zwar leiden die Ladakhis in Ney nicht wie in anderen Teilen Indiens unter Hunger. Medizinische Versorgung und eine vernünftige Schule gibt es für die etwa 400 Bewohner aber nicht. Dass die Ausbildung der Kinder das Potenzial für die Zukunft sei, habe aber sogar das buddhistische Oberhaupt, der Dalai Lama, bei einem Besuch im Kloster betont, erzählt der Rother Elektroingenieur Gerhard Frisch, Präsident der Organisation.

Eine Million Euro nötig
Erste Erfolge kann der Verein bereits vorweisen. Der Grundstein für einen Kindergarten wurde noch vor dem langen Winter gelegt. „Wenn die ersten Jungen und Mädchen den Kindergarten verlassen, soll auch die Schule fertig sein“, kündigt Frisch an. Geplant ist außerdem ein Gesundheitszentrum: Auch die traditionellen Heilmethoden der Ladakhis sollen hier weitergegeben werden, plant Wieser.

Insgesamt eine Million Euro werde das gesamte Projekt kosten, schätzt er. Bisher stammt der Großteil des Geldes aus seiner eigenen Tasche. „Der Verein ist noch sehr jung, aber ich hoffe, dass durch ihn bald mehr Spenden zusammen kommt, sagt Wieser.

Interessierte können das Projekt jederzeit besuchen und im Kloster oder bei einer Bauernfamilie wohnen. Viele verbinden die Reise mit einer Treckingtour im Himalaya. Ein Münchner Reiseanbieter hat Thagchokling in sein Programm aufgenommen. In den Preisen sind Überschüsse enthalten, die wieder in die Projekte fließen.

Weitere Informationen sind im Internet unter der Adresse www.ladakh-reisen.de zu finden. Oder per E-Mail-Anfragen erhältlich unter

Der Verein hat außerdem ein Spendenkonto eingerichtet: Konto-Nummer 348 461 710 bei der HypoVereinsbank Roth, BLZ 764 200 80.

CHRISTINE WIEDEMANN